Das Gleichstellungsgesetz (GlG) wurde revidiert und um eine Pflicht für Unternehmen zu einer betriebsinternen Lohngleichheitsanalyse ergänzt. Der Bundesrat hat am 21. August 2019 die Änderung des GlG und der Verordnung auf den 1. Juli 2020 in Kraft gesetzt. Hier finden Sie die Zusammenfassung der wichtigsten Fragen und Antworten.

Was wurde geändert?

Das Gleichstellungsgesetz (GlG) wird um eine Pflicht für Unternehmen zu einer betriebsinternen Lohngleichheitsanalyse in Bezug auf das Geschlecht ergänzt.

Die neue Bestimmung enthält drei durchzuführende Schritte:

  1. Unternehmen mit 100 oder mehr Angestellten müssen eine erste betriebsinterne Lohngleichheitsanalyse bis spätestens Ende Juni 2021durchführen.
  2. Die Überprüfung der Lohngleichheitsanalyse muss innerhalb eines Jahresnach der Analyse durchgeführt werden (spätestens möglich Ende Juni 2022).
  3. Die Arbeitnehmenden sowie die Aktionäre müssen innerhalb eines Jahresnach dem Abschluss der Überprüfung über das Ergebnis der Lohngleichheitsanalyse informiert werden (spätestens möglich bis Ende Juni 2023).

Wer ist betroffen?

Der Pflicht unterstehen Arbeitgeber mit 100 oder mehr Angestellten. Mit der Zahl 100 (oder mehr) sind nicht Vollzeitstellen gemeint, sondern angestellte Personen. Lernende werden hingegen nicht dazugezählt.

Grundsätzlich gilt jenes Unternehmen als Arbeitgeber, der Anspruch auf die Leistung aus dem Arbeitsverhältnis hat und entsprechend aus dem Arbeitsvertrag verpflichtet ist, also insbesondere den Lohn bezahlt. In den wenigen Fällen (z.B. bei Konzernverhältnissen), in denen die Arbeitgeberstellung nicht klar ist, kann die entsprechende arbeitsrechtliche Praxis berücksichtigt werden.

Gibt es Ausnahmen von der Pflicht?

Ja. Die Pflicht zur Durchführung einer Lohngleichheitsanalyse entfällt, wenn ein Unternehmen im Rahmen des öffentlichen Beschaffungs- oder Subventionswesens in Bezug auf die Einhaltung der Lohngleichheit kontrolliert wurde. Dies gilt für Kontrollen mit einem Referenzmonat zwischen Juli 2016 und Juni 2020.

Bestehen Anforderungen an die Lohngleichheitsanalyse?

Ja. Die Lohngleichheitsanalyse muss nach einer wissenschaftlichen und rechtskonformen Methode durchgeführt werden. Der Bund stellt dafür ein kostenloses Standard-Analyse-Tool (Logib) zur Verfügung, welches diesen Vorgaben entspricht.

Wird die Lohngleichheitsanalyse mit einer anderen Methode als Logib durchgeführt, muss das Unternehmen einen Nachweis über die Wissenschaftlichkeit und Rechtskonformität der verwendeten Analysemethode vorlegen. Darin muss auch eine Hilfestellung für die Überprüfung der betreffenden Lohngleichheitsanalyse enthalten sein.

Wurde hingegen Logib verwendet, besteht eine Vorlage des Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung (EBG) für den Nachweis der Wissenschaftlichkeit und Rechtskonformität dieses Instruments.

Logib in Kürze

Logib ist das offizielle Instrument des Bundes zur statistisch methodischen Analyse der internen Lohngleichheit zwischen Frau und Mann. Logib versucht allfällige durchschnittliche Lohndifferenzen zwischen Frauen und Männern anhand objektiver Einflussfaktoren (Unterschiede in der persönlichen Qualifikation, der beruflichen Stellung sowie den Arbeitsplatzanforderungen) zu erklären. Die verbleibende, durch das Geschlecht erklärbare Lohndifferenz wird von Logib als diskriminierend betrachtet. Logib gibt somit ein Meta-Ergebnis zum Unternehmen als Ganzes und ermöglicht, mit einer Zahl die berühmte Frage der Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern «zu beantworten». Im Rahmen von Ausschreibungen im öffentlichen Beschaffungswesen werden Unternehmen stichprobenartig mit Logib durch das EBG überprüft. Das Logib-Instrument ist online mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung abrufbar.

Muss die Lohngleichheitsanalyse extern erfolgen?

Nein. Das Unternehmen kann die Lohngleichheitsanalyse selbständig oder mit externer Begleitung umsetzen oder umsetzen lassen.

Wichtig: Ein Revisionsunternehmen, welches die Analyse später formal überprüft, kann an dieser nicht mitwirken und umgekehrt (Selbstüberprüfungsverbot).

Ab wann kann eine Lohngleichheitsanalyse durchgeführt werden?

Das Gesetz äussert sich nicht abschliessend dazu. Das GlG erwähnt das «betreffende Jahr» für die Analyse. Das Gesetz tritt am 1. Juli 2020 in Kraft und setzt eine einjährige Frist für die erste Lohngleichheitsanalyse an. Entsprechend sollte sich die Lohngleichheitsanalyse möglichst auf diese Zeitperiode (Mitte 2020 bis Mitte 2021) beziehen.

Grundsätzlich spricht jedoch nichts dagegen, die Analyse bereits früher zu tätigen, um als Unternehmen das Thema proaktiv anzugehen.

Was muss der Nachweis einer eigenen Methode umfassen?

Wurde eine andere Methode als Logib für die Lohngleichheitsanalyse verwendet, wird ein Nachweis der Wissenschaftlichkeit und Rechtskonformität der Methode für die Überprüfung gefordert. Dieser Nachweis muss folgenden Anforderungen genügen:

  • Vollständige und transparente Dokumentation der Methode und eine Anleitung zur formellen Überprüfung derselben in mindestens einer Amtssprache (diese Unterlagen sollen es ermöglichen, die Methode vollständig zu verstehen und nachzuvollziehen).
  • Validierung der wissenschaftlichen Qualität und Rechtskonformität der Methode und der Sachdienlichkeit des Leitfadens durch eine unabhängige Stelle (z.B. Hochschule, Forschungsinstitut oder Gericht).
  • Kontaktperson, die in der Lage ist, fachliche Auskünfte zur Methode zu erteilen.

Muss die Lohngleichheitsanalyse überprüft werden?

Ja. Das GlG sieht zwei Gruppen vor, welche eine Überprüfung durchführen können:

  1. Ein beliebiges Revisionsunternehmen mit einer Zulassung nach dem Revisionsaufsichtsgesetz
  2. Gewerkschaften sowie «Frauen- / Männerorganisation», die nach ihren Statuten die Gleichstellung von Frau und Mann fördern

Das beauftrage Revisionsunternehmen hat die Aufgabe, eine formelle Prüfung bestimmter Faktoren vorzunehmen. Es wird geprüft, ob Sachverhalte vorliegen, aus denen zu schliessen ist, dass die Lohngleichheitsanalyse formell nicht korrekt durchgeführt wurde bzw. nicht den Anforderungen entspricht.

Daneben besteht die Möglichkeit, mit den Sozialpartnern individuell zu vereinbaren, wie die durchgeführte Lohngleichheitsanalyse geprüft werden soll. Es bestehen im Gesetz keine formalen Anforderungen dazu.

Bestehen Sanktionen bei einer Nichteinhaltung?

Nein. Das GlG sieht keine Sanktionen vor, sollte ein Unternehmen die Lohngleichheitsanalyse nicht oder nicht nach den Massgaben des Gesetzes durchführen.

Insbesondere für börsennotierte Unternehmen besteht jedoch durchaus zumindest ein Reputationsrisiko, sollten gesetzliche Bestimmungen bewusst ignoriert werden.

Wie lange gilt das Gesetz?

Nach 4 Jahren muss erneut eine Lohngleichheitsanalyse (inkl. Überprüfung und Kommunikation) erfolgen. Zeigt die aktuelle Lohngleichheitsanalyse jedoch, dass die Lohngleichheit eingehalten ist, ist das Unternehmen nicht weiter mehr verpflichtet, alle 4 Jahre eine Analyse durchzuführen.

Die gesetzliche Massnahme des GlG gilt für 12 Jahre. Diese sogenannte Sunset-Klausel hat das Parlament eingefügt, in der Hoffnung, dass bis dann die Lohngleichheit verwirklicht ist.

Welche Unterstützung gibt es?

Die externen Experten auf dem Markt bieten zwei unterschiedliche Dienstleistungen an:

  • Analyse-Bericht von externen Experten (einmaliges Testat)
  • Zertifizierung (Analyse-Bericht externer Experten geprüft durch einen neutralen Qualitätsprüfer)

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick zu den drei Möglichkeiten:

Wir können Sie in allen drei obigen Herangehensweisen unterstützen:

  • Wir bieten punktuell Unterstützung in der Selbstkontrolle (mit oder ohne Logib)
  • Mit unserem Verfahren Fair-ON-Pay analysieren wir auf Basis von Logib die Lohngleichheit und attestieren dessen Einhaltung (Testat)
  • Bei Bedarf kann das Testat von SGS validiert werden und zu einer Zertifizierung über 4 Jahre führen

Im Rahmen einer Fair-ON-Pay Analyse bieten wir übrigens eine einfache Möglichkeit an, um die aktuellen Ausbildungsinformationen aller Mitarbeitenden selbständig online zu erheben.